Yoga meetz Pilates

Oft werde ich gefragt was genau eigentlich der Unterschied zwischen Yoga und Pilates ist. Ganz klar ist, dass es sich bei Yoga um eine Jahrtausende alte Philosophie aus Indien handelt, die sich neben körperlicher Fitness auf spirituelles Wachstum konzentriert. Ein großer Bestandteil der Yogapraxis ist daher die Meditation. Pilates dagegen ist ein rein physisch ausgerichtetes Workout, dass durch Übungen mit oder ohne Geräte auf eine erhöhte Körperkontrolle abzielt.

Yoga-Einsteigern empfehle ich zunächst ein klassisches Pilates Mattentraining auszuprobieren, um ein erstes Gespür für die Atmung in Verbindung mit körperlicher Bewegung zu bekommen. Doch auch Yogis, die schon länger auf der Matte üben ist Pilates ein toller Ausgleich, um die eigene Praxis zu optimieren. Die Zentrierung, die ein Pilates Workout erfordert, ist die beste Grundlage für eine saubere und sichere Yogapraxis.

 

Atmung

Nicht nur auf der Matte, sondern auch im alltäglichen Leben ist die Atmung das was uns im wahrsten Sinne des Wortes am Leben hält. Dennoch passiert das Atmen die meiste Zeit völlig unbewusst. Sowohl im Yoga als auch im Pilates wird unser Lebenselixier namens Sauerstoff in das Zentrum des Geschehens gerückt indem Bewegung und Atmung miteinander verbunden werden. Dies gibt uns einen Rhythmus vor, der uns wie ein kontinuierlicher Faden durch die Praxis begleitet und uns hilft den Fokus zu halten. Dies trägt zum meditativen Charakter des Mattentrainings bei. Eine tiefe und bewusste Atmung versorgt darüberhinaus unsere Zellen und unsere Muskulatur mit Sauerstoff und erleichtert daher selbst komplexe und kraftvolle Übungen.

Streng betrachtet funktioniert die Atmung der zwei Konzepte genau gegenläufig. Dennoch sollte dies nicht von einem ergänzenden Training abhalten. Die Hauptsache ist schließlich, dass das Atmen bewusst erfolgt. Gezielte Atemtechniken aus dem Hatha Yoga sind der perfekte Einstieg in das kontrollierte Atembewusstsein. Die Wiederholungen der Pilatesübungen trainiert darauf aufbauend die Fähigkeit Atmung und Bewegung miteinander zu verbinden. Dies kann vor allem beim Einstieg in dynamische Yogaformen hilfreich sein, wenn mit jedem Atemzug von einer in die nächste Haltung gewechselt wird. Die schnellen Bewegungsabläufe in Vinyasa Yoga Stunden können den Einsteiger überfordern. Pilates ist ein super Einstieg, um Körper- und Atembewusstsein zu fördern.

Mobilität

Für viele ist die Erkenntnis, dass das Bücken beim Schuhe zubinden schwerfällt, ausschlaggebend dafür, das nächste Yogastudio aufzusuchen. Zum Pilates dagegen verschlägt es viele erst dann wenn der Physiotherapeut aufgrund von Rückenbeschwerden dazu rät. Inspiriert durch die traditionellen Asanas aus dem Hatha Yoga entwickelte Joesph Hubert Pilates ein Workout das nicht nur auf die Stärkung, sondern auch auf die Beweglichkeit des Körpers abzielt. Während Gelenke vor allem im Bereich der Wirbelsäule mobilisiert werden wirkt die tiefliegende Muskulatur unterstützend.

Die Körperkontrolle, die im Pilates maßgeblich geschult wird, trägt dazu bei, dass Mobilisierungsübungen leichter ausgeführt werden können. Gerade in dynamischen Yogaformen wie dem Vinyasa oder Ashtanga Yoga erhöht sich das Verletzungsrisiko wenn Übungen oder Übergänge aus der Dynamik heraus wiederholt falsch ausgeführt werden.

Das ursprünglich als Controllogy bekannte Pilates Konzept zielt auf eine verbesserte Körperbeherrschung ab und eignet sich daher als ideale Vorbereitung für eine saubere und sichere Yogapraxis.

Kräftigung

Beim Hatha Yoga hat vor allem das lange Halten der einzelnen Posen einen kräftigenden Effekt auf Knochen und Gelenke. Im Pilates dagegen wird die meiste Kraft aus dem Rumpf und der Körpermitte geschöpft. Durch die Zentrierung auf das sogenannte Powerhouse werden Bewegungen aus anderen Muskelpartien möglichst effizient gesteuert. Das Anspannen der Bauchmuskulatur wirkt sich dabei positiv und unterstützend auf die Körperspannung, die Kontrolle des Bewegungsapparates und die Muskelkoordination aus. Im Ashtanga Yoga erfüllen die sogenannten Bandhas (Energieverschlüsse) – zumindest auf physischer Ebene – einen ähnlichen Effekt. Das Aktivieren der tiefliegenden Rumpfmuskulatur unterstützt die Aufrichtung der Wirbelsäule und schützt diese bei intensiven Vor- oder Rückbeugen und Drehbewegungen.

Wem das Konzept des Powerhouses aus dem Pilates bekannt ist kann dieses Wissen hervorragend in die Yogapraxis integrieren, um vor allem den unteren Rücken in komplexen Asanas oder im Meditationssitz zu unterstützen.

 Dehnung

Durch gezielte Übungen wird im Pilates die Muskulatur nicht nur gekräftigt sondern gleichzeitig gedehnt. Dies sorgt für lange und zierliche Muskeln weshalb das Mattenworkout vor allem bei Frauen beliebt ist.

Für mehr Flexibilität sorgen vor allem die komplexen Asanas im Yoga. Meist folgt der Stretching Part einer Yogastunde nach den stehenden Haltungen, die zwar auch auf die Dehnung der Muskeln abzielt jedoch den Fokus auf die Stabilität in Rumpf und Beinen haben. In den sitzenden oder liegenden Asanas muss das Körpergewicht nicht durch Muskelkraft gehalten werden, weshalb es leichter fällt sich auf den Dehnungseffekt einzulassen. Auch hier hat die Atmung eine – wortwörtlich – tiefgründige Bedeutung.

Im Yin Yoga beispielsweise werden die Asanas für drei bis fünf Minuten in einer eher passiven Haltung eingenommen. Dies sorgt für einen sehr intensiven Dehnungseffekt, der vor allem in das fasziale Gewebe vordringt. Deshalb wird Yin Yoga auch oft als Faszien Yoga bezeichnet.

Kontrolle

Das heute als Pilates bekannte Trainingskonzept wurde von seinem Erschaffer ehemals Controllogy getauft und zielte auf kontrollierte und präzise ausgeführte Körperübungen ab. Vor allem BKS Iyengar, der als einer der Pioniere des körperlichen Hatha Yoga gilt, legte sein Hauptaugenmerk auf eine korrekte Ausrichtung der einzelnen Posen. Auch Swami Vivekananda beschwört in seinem Werk Raja Yoga, dass es keinen Muskel im menschlichen Körper gibt, der nicht kontrolliert werden könne.

Die Körperkontrolle, die durch das regelmäßige Pilatestraining gefördert wird ist eine perfekte Grundlage für die komplexen Yogahaltungen. Die kontrollierte Zentrierung der Körpermitte erleichtert das lange Halten der stehenden Asanas (wie beispielsweise den Kriegern). In einer dynamischen Praxis dagegen senkt das effiziente Zusammenspiel der einzelnen Muskelketten und Gelenke das Verletzungsrisiko (wie beispielsweise beim Sonnengruß).

Genauso wichtig wie das bewusste Ausführen der Körperübungen ist jedoch auch das Loslassen der Kontrollmechanismen am Ende einer Yoga- oder Pilatesstunde. Während das Shavasana (Endentspannung) zum festen Ablauf einer Yogastunde gehört bleibt das Entspannen bei Workouts wie dem Pilates oft auf der Strecke. Dabei sprach Joseph Pilates selbst den Entspannungsphasen zwischen den Trainingseinheiten das höchste Heilungspotential zu. Wer gelernt hat seinen Körper zu verstehen weiß: Eine ausreichende Entspannung ist Grundvoraussetzung für ein effektives Training!

Anleitung und Hilfestellung zu Atem- und Entspannungsübungen findest du in dem Artikel Entspann dich ma!

 

In folgenden Video gewinnst du eine Idee davon wie es aussehen kann wenn man Übungen aus dem Pilates und dem Yoga miteinander verbindet.

Weitere Videos zum Mitmachen findest du auf Pilates & Friends.

 

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