Muay Thai

Muay Thai ist eine traditionelle Kampfkunst und im Westen überwiegend als Thaiboxen bekannt. Die Wenigsten wissen jedoch über die historische als auch spirituelle Bedeutung des thailändischen Nationalsports. 

Geschichte

Die Popularität des heutigen Nationalsports wurde besonders unter der Herrschaft des Königs von Ayuttaya Prachao Sua (1703 – 1709) erheblich gesteigert. Aufgrund seiner eigenen Leidenschaft zum Kampfsport nahm der damals vierzig Jährige großen Einfluss auf die bis heute ausgeübten Techniken im Thaiboxen. Darüberhinaus wurde zu Prachao Suas Zeiten auch das erste Equipment eingeführt. Die ersten Bandagen bestanden aus Pferdehaar bevor sie zunächst durch Hanffasern und schlussendlich durch Baumwolle ersetzt wurden. Als Tiefschutz dienten Muscheln oder Baumrinde, denn bis in die dreißiger Jahre waren Tritte in den Genitalbereich erlaubt. Noch heute wird der im Volksmund als “Tiger König” bekannte Kampfsportler für die Gewinne verehrt, die er während seiner anonymen Straßenkämpfe verzeichnete.

Rund sechzig Jahre später begann der siamesisch-birmesische Krieg in dem das damalige Burma (heute Myanmar)  das siamesische Reich (heute Thailand) besetzte. Dem damaligen Muay Boran (die Ursprungsform des Muay Thai) kam während dieser Zeit eine besondere Bedeutung für das heutige Thailand zu. Die Legende des siamesischen Kämpfers Nai Khanomtom ist bis in die heutige Zeit im Herzen der Thais verankert. Während Khanomtoms Gefangenschaft im Jahre 1767 forderte der burmesische König Mangra ihn zur Präsentation der traditionellen siamesischen Kampfkunst, in seiner Ursprungsform als Muay Boran bekannt, auf.  Ohne Kampfrichter, Runden und jegliches Equipment trat Khanomtom gegen einen burmesischen Kämpfer an und gewann.

Neun weitere Kämpfe folgten in denen Nai Khanomtom jeden einzelnen Gegner besiegte. Der durchweg beeindruckte König von Burma gab dem unschlagbaren Krieger daraufhin seine Freiheit zurück und ließ ihn zurück zu seinem Volk – dem heutigen Thailand – kehren. Nachdem die Thais zu diesem Zeitpunkt noch immer den damaligen Verlust ihres alten Königreichs Ayutthaya durch den Krieg mit Burma verkraften mussten, hatte der Sieg und die Rückkehr ihres besten Kämpfers Nai Khanotom eine besonders große Bedeutung. Bis heute gilt der Muay Thai Kämpfer als Held der Nation und wird sogar mit einem nationalen Feiertag (17. März) geehrt.

Das nächste goldene Zeitalter der thailändischen Kampfkunst ist zwischen 1868 bis 1910 zu verzeichnen. Die von Rama V geführte Regierung setzte sich zunehmend für Trainingslager und professionelle Kämpfe ein. Bis 1920 war Muay Thai sogar fester Bestandteil des nationalen Schulsystems. Aufgrund der hohen Verletzungsrate wurde das Boxen aber schließlich auf den Unterricht in dafür vorgesehenen Gyms reduziert.

Durch die internationale Beliebtheit, an der sich das traditionelle Muay Thai im Laufe der Zeit erfreute, wurde mehr Raum für Inspirationen durch andere Kampfsportarten geschaffen. So fanden schließlich die aus dem westlichen Boxen bekannten Handschuhe ihren Platz in der asiatischen Kampfkunst. Die Einführung unterschiedlicher Gewichtsklassen, das Kämpfen im Ring und  in Runden machten aus der einst als Muay Thai bekannten Kampfsportart das heutige “Thaiboxen”.

Mitte der vierziger Jahre nahmen nicht nur die allgemeinen Bestimmungen und Reglementierungen, sondern auch die allgemeine Bedeutung des Kampfsports für das thailändische Volk zu. Etliche Jahre vergingen in denen unterschiedliche Verbände sich um Rechte und Regeln des Nationalsports stritten.  1995 wurde schließlich der World Muay Thai Council (WMTC) gegründet, dessen Organisation nun weltweit alle Muay Thai Verbände unterliegen.

 

Technik

Muay Thai wird im Englischen oft als Art of 8 Limbs (achtgliedrige Kunst) bezeichnet, da die angewandten Techniken mithilfe von jeweils zwei Fäusten, Ellenbogen, Knien und Schienbeinen ausgeführt werden.

Die aus dem herkömmlichen Boxen bekannten Schläge, wie Jebs und Haken finden auch im Muay Thai ihre Anwendung. Darüber hinaus kommen diverse Ellenbogentechniken zum Einsatz.

Anders als beim Kickboxen zielen die Tritte im Muay Thai auf den gesamten Körper des Gegners ab. Neben High Kicks, die sich auf den Kopf des Gegenübers ausrichten, werden Low Kicks auf Rippenhöhe oder in der Gegend des äußeren Oberschenkels ausgeführt. Innenbein Low Kicks zielen auf die Innenseite des Oberschenkels ab und dienen vor allem dazu das Gleichgewicht des Gegners zu beeinträchtigen.

Im sogenannten Clinch (Chap Kho) umschlingt der Kämpfer den Kopf des Gegners, um ihn mit Kraft nach unten zu zwingen und diverse Knietritte anzuwenden.

Um Tritte abzuwehren nutzen Muay Thai Kämpfer spezielle Blocks. Vor allem das Heben der angewinkelten Beine schützen den seitlichen Rumpf und die Rippengegend.

 

 

 

Training

Sowohl das Blocken als auch die von den Hüften aus gesteuerten Kicks setzen einen großen Bewegungsspielraum in den Hüftgelenken voraus. Das ausgiebige Dehnen ist daher großer Bestandteil des Muay Thai Unterrichts.

Simple Stretching Übungen, die für das Aufwärmtraining im Muay Thai geeignet sind findest du hier  >>> Yoga im Kampfsport.

Darüberhinaus ist das Thaiboxen für sein hartes Training bekannt. Neben Seilspringen, Joggen und Schattenboxen gehören Übungen, die Körperkraft, Koordination und Kondition fordern zu einem normalen Aufwärmtraining. Anschließend werden Techniken geübt, die meist in Partnerarbeit oder an Pratzen stattfinden. Zur optimalen Kampfvorbereitung dient schließlich das Sparring in dem die Praktizierenden eine realistische Kampfsituation simulieren. Anders als in Profikämpfen tragen Kämpfer dabei in der Regel Schienbeinschoner, um ernsthafte Verletzungen zu vermeiden.

 

 

 

Kämpfe

Ein konventioneller Muay Thai Kampf zählt je nach Leistungsgruppe drei bis fünf Runden, die je zwei bis drei Minuten betragen.

Der Kampfrichter übernimmt Kommandos und Kontrolle über die vorgegebenen Kampfregeln. Ist einer der Kämpfer nicht mehr in der Lage weiterzumachen, zählt der Richter bis zehn bevor das endgültige K.O. ausgerufen wird. Darüberhinaus hat der Ringrichter auch dann das Recht den Kampf abzubrechen, wenn er das Leistungsniveau zwischen den Gegnern als signifikant unausgeglichen empfindet.

Eine Jury von drei Personen entscheidet über die Punktevergabe eines Muay Thai Kampfes. Ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen eigenen Treffern und dem Blocken der vom Gegner angewandten Angriffe wird mit zehn Punkten belohnt. Bei einem geringen Unterschied zwischen der Leistung eines Kämpfers und der seines Gegners erfolgt eine Vergabe von neun Punkten. Eine schlechtere Darbietung entspricht acht Punkten. Das Ausführen unerlaubter Techniken wird mit einem Punkteabzug und nach dreimaliger Wiederholung mit einer Disqualifizierung bestraft.

In der alten Muay Thai Tradition führen die Kämpfer vor Beginn des Kampfes einen rituellen Tanz (Wai Khru Ram Muay) vor, der vor allem Respekt gegenüber dem eigenen Lehrer symbolisieren soll.

Der traditionelle Kopfschmuck, den Kämpfer während dieses Rituals tragen, wird Mongkon genannt und hat eine spirituelle Funktion. Erst wenn der Lehrer seinen Schülern als für den Kampf bereit ansieht wird das glückbringende Stirnband, welches zuvor in einem buddhistischen Ritual gesegnet wurde, übergeben. Vor dem Kampf nimmt der Lehrer den Mongkon vom Kopf des Schülers und erklärt somit den offiziellen Beginn des Kampfes. Sowohl während der spirituellen Zeremonie als auch während des Kampfes wird traditionelle Thai Musik gespielt.

 

 

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